April 16 - Mai 24, 2008
The Hole World
Wasser, Licht und Erde sind die zentralen Elemente der aktuellen Ausstellung „The Hole World“ von Johannes Wohnseifer in der Galerie Gisela Capitain. Der Titel beschreibt den Eindruck, der sich dem Besucher unwillkürlich vermittelt: Die mit silbriger Spiegelfolie beklebten Fenster versperren die Sicht nach draußen, in den Innenräumen erstreckt sich eine eigene, autarke Welt. In dieser ‘Höhle’ spiegelt sich auf Grund der metallisch reflektierenden Quadraten des Fensterglases im wahrsten Sinne des Wortes der Kosmos Erde mit allen seine Fassetten wider: Drei Viertel der Erdoberfläche sind mit Wasser bedeckt und folglich nimmt das Wasser auch in der Ausstellung den größten Raum ein. Fünf Tische stellen eine ähnliche Parallele dar und entsprechen gemeinsam mit den ihnen zugeordneten Leuchten unseren Kontinenten.
Die Monotonie des blau-schwarzen Meeres trifft auf farbig aufleuchtende, bemalte Frachtcontainer in Originalgröße. Diese scheinen jedoch nicht ziellos auf den Weiten des Meeres unterwegs zu sein, sondern darüber hinaus eine erweiterte Bedeutung zu transportieren: Sie stellen das Bindeglied zwischen den Kontinenten her und sorgen für (Waren-)austausch. Doch trotz offensichtlicher Zusammengehörigkeit erstrahlt für jeden der fünf Erdteile ein persönlicher Mond exklusiv und in nächster Nähe.
Surreales und Fiktives trifft auf Vertrautes, Skulpturales auf Plakatives, serielle Auflagen auf individuell Angefertigtes, bereits Bestehendes wird zu Neuem umfunktioniert. „Bei den Tischen handelt es sich sowohl um selbst gebaute, als auch um gekaufte oder gefundene Objekte. Das gleiche trifft auf die Leuchten, die zumeist den Mond nachbilden, zu. Jede dieser Kombinationen könnte man auch als Landschaftsbild verstehen, das sich innerhalb des größeren oder übergeordneten Weltmodells bewegt.“ (JW)
Alles gemeinsam wird kontrastiv und verbindend mit- und nebeneinander installativ vereint – so, wie man es bereits in früheren Ausstellungen von Johannes Wohnseifer erleben durfte. Jedes Element ist Teil eines Ganzen – dem Komplex Welt. In der aktuellen Ausstellung wird dieser Bezug durch das phonetische Wortspiel im Titel deutlich: „The Hole World“ thematisiert einerseits unsere Welt als Höhle, als schützenden Lebensraum, genauso wie sie das Thema Globalisierung in sich trägt, indem sie phonetisch auf die ‘Ganze Welt’ referiert.
Während die Einflüsse der uns umgebenden Welt der Politik und Popkultur auf den Menschen, der als Teil dieser Strömungen im Mittelpunkt steht, in den meisten bisherigen Werken Wohnseifers ¬- oftmals in autobiografischer Weise - unmittelbar sichtbar ist, wird in „The Hole World“ der Mensch hingegen nur indirekt durch seine ihn umgebende ‘Sphäre’ thematisiert. Doch scheint auch auf diese Weise in „The Hole World“ der aktuelle ‘Zeitgeist’ aufgefangen und zugleich in Frage gestellt zu werden: Gelingt eine Globalisierung wirklich? Oder kreiert sich jeder letztendlich seine eigene autarke Welt?